Positionspapier VBFF

Verband der bayerischen Filmfestivals
Nürnberg / München 21. Juli 2014

10 Thesen zum Wert von Filmfestivals in der bayerischen Kulturlandschaft.
10 gute Gründe für die verstärkte Förderung bayerischer Filmfestivals.

Ein paar Zahlen vorweg.
Im Jahr 2013 zeigten die 15 Festivals des Verbandes Bayerischer Filmfestivals an 101 Tagen in 1081 Veran staltungen zusammen 1.492 Filme auf insgesamt 73 Leinwänden vor 91.400 Zuschauern. Organisiert wurden die Festivals von:
7 Vollzeit-, 23 Teilzeit-, 32 Honorarkräften und 586 ehrenamt lichen
Mitarbeiter / innen. Mit einem Gesamtbudget von 1.905.100 € (davon waren 137.000 € Bei stellungen / Sachmittel). Der Zuschuss des Freistaats Bayern betrug für diese Festivals: 132.600 €, das sind 7,5% der Gesamtkosten.

1. Den audiovisuellen Künsten gehört die Zukunft.
Die Bedeutung und der Einfluss von Bewegtbildmedien in unserer Gesellschaft steigt in zunehmendem Maße. Das gilt für die allgemeinen Kom munikationsmedien, die der Informationssparte und vor allem für die Unter haltungs branche. Der Film ist die Königsdisziplin dieser Medien und die Filmfestivals sind ihre wichtigste und populärste Plattform.

2. Filmfestivals sind Kinokultur in Hochform.
Filmfestivals bieten ein exklusives Programm jenseits des regulären Filmver­leih­geschäfts und besitzen, je nach Genre, einen jeweils ureigenen programma­tischen Charakter. Die Begeg­nung mit der Film­kultur aus der ganzen Welt und die Möglichkeit, die Macher hinter den Filmen kennenzulernen, macht die Attraktivität von Filmfesti­vals aus.

3. Die bayerischen Filmfestivallandschaft ist vielfältig und hochwertig.
Bayern besitzt eine vielfältige und aktive Szene von Filmfesti­vals aller Couleur: Spiel-, Dokumentar-, Kurz-, Experimental-, und Fantasyfilm – alle Spielarten des Films sind in verschie­denen Formen und an zahlreichen Orten vertreten: Von Würzbug bis Oberaudorf, von Augsburg bis Selb. Die Filmkultur und Kinokunst genießt in Bayern unter den Zuschauern eine hohe Wert­schätzung. Sie in ihren Grundlagen und Strukturen zu verbessern muss das Ziel sein.

4. Filmfestivals bieten Avantgarde und mehr.
Filmfestivals spielen Formate (Kurfilme, Experimentalfilme) die im regulären Kinobetrieb nicht vorkommen und wagen neben den wichtigen Premieren Ent­deckungen aus aller Welt. Sie bieten somit eine filmkulturelle Grundversorgung, die ansonsten nicht existieren würde. Filmfestivals stehen in der Filmkultur somit für Ent­deckungen und neue Trends.

5. Bayerische Filmfestivals beleben die regionale Kinokultur.
Verschiedene bayerische Filmfestivals stärken explizit die regionale Filmwirt­schaft. Erst die jährlich wiederkehrenden Highlights eines Festivals, beleben den Publikumszuspruch vor Ort und bestärken die Kinobetreiber diesen Effekt zu nutzen, und ihren Standort zu halten.

6. Filmfestivals sind ein wesentlicher Teil der Kinoauswertung.
Filmfestivals sind längst nicht nur exklusive Werbeplattformen für die anschlie­ßende Kinoverwertung, sondern vielmehr ein Teil der allgemeinen Verwer­tungs­kette der Vertriebe. Die weltweiten zahlreichen Filmfestivals ergeben längst einen Markt für sich, und Qualitätsware ist nicht mehr gratis. Die Festi­vals benötigen zusätzliche Mittel für eine angemessene Bezahlung von Vor­führrechten der Filme.

7. Filmfestivals sind der Motor der Branche.
Filmfestivals fördern die regionale und internationale Filmszene durch Preise, Auf­führungs­möglichkeiten, mediale Aufmerksamkeit, etc. Durch die hohe Anzahl an Premieren und interessante Rahmenveran­stal­tungen bieten Film­festivals der Branche eine Plattform sich einer großen Öffentlichkeit zu präsen­tieren und von der Presse fokussiert gesehen zu werden. Darüber hinaus bieten sie auch eine Plattform für Filmschaffende, auf der man sich begegnet, Bezie­hungen knüpft und Anregungen holt. Film­festivals sind der ideale Ort für zukün­ftige Kooperationspartner und den Beginn neuer Filmprojekte.

8. Filmfestivals sind ein allgemeiner Wirtschaftsfaktor.
Jenseits der Filmkultur stellen die bayerischen Filmfestivals einen nicht zu unterschätzenden regionalen Wirtschaftsfaktor dar. Filmfestivals sind kulturelle Events, die den bespielten Kultur­stätten Aufmerksamkeit und ein attraktives Image ver­leihen. Darüber hinaus wird in den Regionen der Tourismus durch die Vielzahl der Gäste und die starke Präsenz der Festivals in der Öffentlichkeit sichtbar belebt.

9. Bayerische Filmfestivals sind chronisch unterfinanziert.
Die allermeisten bayerischen Filmfestivals beruhen auf der Initiative einzelner Festivalleiter, ihrer Mitarbeiter / innen und ehrenamtlicher Kräfte die in Förder­vereinen organisiert sind. Im Vergleich zu anderen kulturellen Ein­richtungen wie Staats- oder Landestheatern, Landesorchestern, Museen und Kunsthallen ist das Verhältnis zwischen dem Budget und der Besucherzahl sehr niedrig bei gleichzeitig sehr hoher Effektivität.

10. Das Engagement der bayerischen Filmfestivals braucht Förderung.
Alles was Filmfestivals leisten, ist wie in kaum einer anderen Kulturbranche nur durch ein Höchstmaß an Eigeninitiative und geringe Gehälter aller Beteiligten möglich. In keiner anderen Kulturbranche ist das Gehaltsgefüge der Mitarbeiter dürftiger und das Maß an ehrenamtlichen Tätigkeiten höher als in der Festival­szene. Das sollte sich im Interesse aller ändern.

Resümee:
Bayerische Filmfestivals sind Standortförderung in jeder Hinsicht.
Filmfestivals bieten eine Standortförderung unter kulturellen, filmwirtschaftlichen und allgemein wirtschaftlichen Aspekten. Der internationalen überregionalen und regionalen Bedeutung der Filmfestivals muss Rechnung getragen werden. Die Filmfestivals Bayerns benötigen in jeder Hinsicht eine größere Unter­stütz­ung durch die öffentlichen Institutionen, um sich ihrer Bedeutung entsprechend angemessen weiter entwickeln zu können.
Filmfestivals sind Standortförderung at it´s best.

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